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Dienstag, 13. August 2013

das hascherl...



sie ist ein bisschen über zwei jahre alt….

sie wird „abgegeben“!
kein platz für sie im leben ihrer mutter. 
diese lebt in der grossen hauptstadt, muss arbeiten und schauen dass sie selber über die runden kommt, das kind ist ihr „passiert“, war nicht gewollt, ist eine last die im weg steht. das jugendamt droht ihr das kind wegzunehmen, es in  ein heim zu geben. ein heimplatz wäre die alternative, oder eben zwischenlagerung bei der großmutter. 

den vater wird das hascherl nie wirklich kennenlernen…es gibt nur ein bild...





die großmutter ist ihr neuer lebensmittelpunkt. sie kann sich nicht mehr wirklich und bewusst an diese zeit erinnern. nur die paar erinnerungsfetzen aus den erzählungen der oma sind da. sie werden zu bildern im kopf…ihren erinnerungsbildern. die angst vor dem gezwitscher der vögel im garten, so ungewohnte geräusche sind das. da gibt es einen garten, pflanzen, tiere, eindrücke und gerüche die sie nicht kennt. all das macht ihr angst. fremde menschen, argwöhnische blicke. der onkel, der im gleichen haus, im modern ausgebauten ersten stock wohnt und dessen frau (die zweite tochter der oma) gerade schwanger ist mit ihrem ersten kind, schenkt ihr einen teddybären als kuschelersatz für die zeit danach, wenn sie wieder weg muss aus der kleinbürgerlichen idylle, wenn der stammhalter kommt und die großmutter zeit für diesen braucht. hier ist kein platz für ein uneheliches balg dass da in diese idylle eindringt. 

die nachbarn tuscheln schon….

sie ist ein kleines hascherl, dass nur wenig liebe kennt. die oma bemüht sich, will sie bei sich haben, ihr mann ist vor ein paar jahren gestorben und sie wünscht sich eine lebensaufgabe.. einen sinn, etwas dass das leben wieder lebenswert macht. da kommt sie, das kleine hascherl gerade recht. an die ersten jahre hat sie, wie gesagt, nicht wirklich eine erinnerung. die oma ist selber sehr lieblos auf einem bauernhof aufgewachsen und versucht ihr bestes um das kleine hascherl groß zu bekommen aber körperliche zuneigung, ein streicheln, ein lieb haben… kennst sie nicht, weil sie es selber nie erfahren hat. das hascherl erlebt den ersten schnee. den frühling und dann kommt der kleine stammhalter auf die welt. er ist der kleine lang ersehnte sohn der onkels. und ab diesem zeitpunkt fängt sie an zu erahnen und zu spüren wie es ist, nicht erwünscht zu sein. 

die oma gibt sich alle erdenkliche mühe, aber zuneigung und liebe geben und zeigen kann sie nicht. sehr früh prägen sich herbe worte ein. wenn du nicht brav bist, musst du ins heim. manchmal gibt es situationen die sie geniesst, wenn ihr die oma die langen haare kämmt und bürstet und geschichten aus ihrer jugend erzählt, vom krieg und vom bruder der gefallen ist, von situationen in denen sie sich vor den russen im keller versteckt haben. mit jedem bürstenstrich saugt sie diese zweisamkeit und vertautheit auf und es sind diese momente in denen sie einen hauch von körperlicher zuneigung spürt.   

es gibt kein fliessendes warmwasser im haus der oma. das waschwasser wird auf dem herd erhitzt und die kleine badewanne gefüllt zum waschen. es gibt auch kein wc sondern ein plumpsklo am hof. aber das hascherl kennt es nicht anders und es wird zur normalität. 

und die nachbarn tuscheln immer noch.

sie darf nur selten hinauf in den ersten stock, der stammhalter braucht ruhe. sie darf nicht zuhören wenn die tante dem stammhalter märchen vorliest und sie muss gehen wenn der kleine stammhalter sein essen bekommt, von dem sie auch so gerne etwas abhaben würde, aber sie schluckt den wunsch hinunter und geht zur oma ihr schmalzbrot essen.

sie ist einfach nur ein kleines hascherl…..


Kommentare:

  1. Wie immer unsere Vergangenheit war - sie war.
    Nichts spricht dagegen, dass aus einem kleinen Hascherl eines Tages ein wunderschöner, anmutiger Schwan wird, dessen Wunden zu Perlen geworden sind. Perlen, die ihn für sein ganzes Leben sensibel machen für Menschen die auch ein Hascherl gewesen sind.
    Leben bedeutet Entfaltung...erwarte das Beste. Du hast es verdient.

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  2. ....ich erwarte nichts ;-)
    das vergangene hab ich hinter mir gelassen....
    aber im moment verspür ich den wunsch darüber zu schreiben, die gedanken kreisen, es steht in kürze ein wichtiger tag an und die vergangenheit fordert gerade ihr recht....

    und ja...das mit den perlen...gefällt mir sehr

    danke

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  3. Danke auch.
    Die Metapher mit den Perlen ist allerdings nicht von mir. Hildegard von Bingen prägte einst diesen Vergleich und es steckt viel Wahrheit darin.

    http://psychotherapie-vanharen.de/wiki-vanharen/existenzielles/wunden-zu-perlen.html

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